September

FR 28.09. 20.00 Gastspiel  Premiere 
Theater N.A.C.K.T
Die Brüste des Teresias
nach Guillaume Apollinaire

Theater ist nie bloß Photographie
Leben selbst muss der Bühne erwachsen
Denn Stücke sind Leben im lebendigsten Sinn

(Die Brüste des Teresias, Prolog)

Vor 100 Jahren prägte Guillaume Apollinaire den Begriff des Surrealismus mit seinem Zweiakter Die Brüste des Teresias (frz. "Les mamelles de Tirésias"). Der antike Stoff der mythischen Geschlechtsumwandlung und dessen Folgen sind nach wie vor aktuell. Themen wie die Übersexualisierung und Diskriminierung von Frauen und die Überforderung des Mannes haben seit Apollinaire nichts an Relevanz verloren, sondern an Bedeutung und Ernsthaftigkeit gewonnen.

In der Inszenierung der jungen Theatergruppe N.A.C.K.T. liegt der Fokus auf der Figur des Mannes in der feministischen Debatte. Anstatt ihm nur die Rolle des Täters zuzuschreiben, zeigt das Bühnengeschehen auch, wie der Mann selbst zum Opfer des patriarchalen Systems wird.
Apollinaires dadaistische Revue wird zu einer multimedialen Collage, die das Publikum durch die Geschichte eines Mannes führt. Ein Mann, der Räume sucht, in denen er schwach sein darf.
Die Handlung hat mehr den Charakter einer Studie. Therese hat es satt, eine Frau zu sein, die sich unterordnen muss, und bindet sich ihre Brust ab. Ihr Ehemann muss dadurch folgerichtig zur Frau werden. In dieser neuen Situation erfährt er bald die Nachteile dieser Geschlechterrolle, möchte seine Männlichkeit nicht abgeben. Ganz dem Bild des "typisch männlichen" Wettkampfgedanken folgend übernimmt er die Aufgabe des Kindergebärens mit überzogener Effizienz: 40.049 Kinder bringt er an einem einzigen Tag zur Welt. Bald wird aber auch ihm bewusst, dass "Weiblichkeit" Vorzüge und "Männlichkeit" gravierende Nachteile besitzt.

Das Ensemble N.A.C.K.T. besteht seit drei Jahren und erarbeitet ihre Stücke mit aktueller, adaptierter und medial orientierter Dramaturgie. Die Gruppe setzt sich zusammen aus Mitgliedern verschiedener künstlerischer Richtungen wie Malerei, Musik und Film.

Regie: Achim Dams Eintritt: 12 €, ermäßigt 8 €

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SA 29.09. 20.00 Die Brüste des Teresias
SO 30.09. 20.00 Die Brüste des Teresias
 
 Oktober

FR 26.10. 20.00  Premiere 
Die verkehrte Welt
eine Komedia von Ludwig Tieck
eine Produktion des
theaterforum kreuzberg

Skaramuz, der Narr drängt an die Macht. Er vertreibt Apoll vom Thron und übernimmt die Regierungsgeschäfte. „Die Regierung ist nun in der schönsten Verfassung. Bescheidenheit ist mein vorzüglichster Fehler, den ich mir noch ganz abgewöhnen muss. Manchmal schwindelt mir, wenn ich meine eigene Größe ermesse.” So lobt er sich selbst und ignoriert, welche Auswirkungen sein Handeln hat, bis sich eine Revolte der Enttäuschten und Beleidigten anbahnt.

In einer turbulenten Komödie mischt Ludwig Tieck virtuos Theaterstile und Sprachformen. Wie in einer Zeitreise lässt er Figuren der unterschiedlichen Genres auftreten: aus dem griechischen Theater, der Commedia dell'arte, dem realistischen Drama, dem bürgerlichen Rührstück und der Groteske. Außerdem treten auf der Theaterdirektor, der Autor und der Maschinist.
Auch Zuschauer spielen mit. Sie kommentieren laut, greifen ein, wenn Langeweile droht und klatschen begeistert bei überraschenden Wendungen.

Mit Wörtern Musik zu machen, sie klingen zu lassen und nicht nur für Information und intellektuelles Verständnis zu verwenden, sondern poetische Bilder zu schaffen, die den tieferen Sinn enthüllen, war Tiecks Anliegen.
So beginnt das Schauspiel mit einer gesprochenen Symphonie, danach folgt - wie es sich für eine verkehrte Welt gehört - der Epilog, bevor die Turbulenzen auf der Bühne ihren Lauf nehmen.

Ludwig Tieck - der König der Romantik

Man kennt Tieck heutzutage noch als genialen Shakespeare-Übersetzer. Weniger bekannt ist, dass er als erster die Schriften von Kleist, Grabbe und seinem engen Freund Novalis herausgab und so vor dem Vergessen bewahrte. Geschätzt auch von Goethe, war Tieck der Mittelpunkt der Frühromantiker in Jena und später berühmt für seine Vorleseabende in Dresden, zu denen Persönlichkeiten aus ganz Europa pilgerten. Er schrieb eine Fülle von Gedichten, außerdem Erzählungen, Märchen, Novellen, Romane, Theaterstücke und Essays zur Dramaturgie. Seine Schriftstellerkollegen (Clemens Brentano, Achim von Arnim, August Wilhelm und Friedrich Schlegel u.a.) zollten ihm Anerkennung und Respekt. Er galt ihnen als großer Anreger. Brentano nannte ihn den König der Romantik.
Nach seinem Tod geriet sein Werk in Vergessenheit. Auch die spätere Literaturkritik würdigte ihn kaum. Erst Arno Schmidt bezeichnete ihn als „ersten modernen Dichter der deutschen Literatur”.

„Die verkehrte Welt” wurde zu Tiecks Lebzeiten nie aufgeführt. Erst 1974 brachte das Schiller Theater in Berlin die Uraufführung heraus. Zehn Jahre zuvor jedoch hatte sich das Perpendikel Theater am französischen Gymnasium unter Leitung von Rudi Müller an eine Inszenierung gewagt. Im Gegensatz zur offiziellen Uraufführung erreichten diese Aufführungen auch bundesweit einige Aufmerksamkeit; im Tagesspiegel erschien eine Rezension mit der Überschrift: „Tieck - ein Vorläufer Ionescos”.
Dieser Titel beschreibt am besten, wie sehr dieses Stück seiner Zeit voraus war und warum es erst 165 Jahre nach seiner Entstehung auf einer Bühne zu sehen war. Aktuell ist es auch heute noch, doch auf den Spielplänen der Theater nicht zu finden.

Das tfk setzt mit dieser Inszenierung die Reihe der vergessenen Autoren und unbekannten Meisterwerke fort.

Regie und Bearbeitung: Anemone Poland
Bühne: Robert Schmidt-Matt
Kostüme: Gertraud Wahl-Deschan & Nathalie Säwert
Musikkomposition: Dirk Rave
Maske: Rebekka Schwark
Lichtdesign: Katri Kuusimäki
Bühnentechnik: Vinzent Wobeser
Regieassistenz: Francesca Spisto

Es spielt das Ensemble des theaterforum kreuzberg: Philipp-Manuel Bodner, Pasquale Bombacigno, Miriam Braun, Magdalene Hurka, Simon Mayer, Vanessa Montserrat, Thomas Otto, Martin Radecke, Esteban Castro Ramos, Susanna Reinhart, Michael R. Scholze, Caroline Siebert, Tanja Watoro, Laurenz Wiegand, Tim Wildner
Gefördert durch die
Heinz und Heide Dürr Stiftung


Eintritt: 18 €, ermäßigt 10 €
Gruppenermäßigung ab 10 Personen
Berlin-Pass: 5 €

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SA 27.10. 20.00 Die verkehrte Welt
SO 28.10. 20.00 Die verkehrte Welt
 
 November

FR 02.11. 20.00 Die verkehrte Welt
SA 03.11. 20.00 Die verkehrte Welt
SO 04.11. 20.00 Die verkehrte Welt
MI 07.11. 20.00 Leben und Tod des
kleinen Rothkäppchens

eine Tragödie von Ludwig Tieck
Szenische Lesung mit Musik

Im Jahr 1800, einige Jahre bevor die Brüder Grimm anfingen Märchen zu sammeln, schrieb Tieck die Tragödie von Rotkäppchen, inspiriert durch die Erzählung von Charles Perrault.
Neben den bekannten Figuren Großmutter, Wolf, Rotkäppchen und Jäger treten in dem Versdrama auch ein Hund, zwei Rotkehlchen, ein Kuckuck und die Nachtigall auf. Tieck charakterisiert die Figuren mit der ihm eigenen Ironie und lässt auch den Wolf berichten, wie es dazu kam, dass er so wurde wie er ist - der böse Wolf.

Es liest: Anemone Poland
Musikalische Begleitung:
Dirk Rave, Akkordeon
Eintritt: 12 €, ermäßigt 8 €

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FR 09.11. 20.00 Die verkehrte Welt
SA 10.11. 20.00 Die verkehrte Welt
SO 11.11. 20.00 Die verkehrte Welt
MI 14.11. 20.00 Leben und Tod des kleinen Rothkäppchens
DO 15.11. 20.00 Gastspiel
Ein bisschen Goethe -
ein bisschen Bonaparte

Ein deutsch-französischer Abend
mit Saskia Kästner und Dirk Rave

Keine Französischkenntnisse erforderlich!
Saskia Kästner und Dirk Rave widmen sich der kulturellen Völkerverständigung - auf ihre Art. Überraschende Überschneidungen und Fundstücke aus Literatur, Chanson, Schlager, Pop und Poésie. Abba auf französisch? Französische Erotik in der DDR? Französische Redewendungen zum Angeben leicht gemacht? Aber Oui!
Die Beiden fördern Ungeahntes zu Tage - diesseits und jenseits des Rheins. Und die Romantik kommt natürlich auch nicht zu kurz. Seufz! Und O làlà!

Homepage: www.dirkrave.de Eintritt: 15 €, ermäßigt 10 €

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FR 16.11. 20.00 Die verkehrte Welt
SA 17.11. 20.00 Die verkehrte Welt
SO 18.11. 20.00 Die verkehrte Welt
FR 23.11. 20.00 Die verkehrte Welt
SA 24.11. 20.00 Die verkehrte Welt
SO 25.11. 20.00 Die verkehrte Welt
vorerst letzte Vorstellung!